{"id":2203,"date":"2020-05-28T12:47:41","date_gmt":"2020-05-28T12:47:41","guid":{"rendered":"https:\/\/ortho-orofacial.com\/?p=2203"},"modified":"2020-05-28T12:47:41","modified_gmt":"2020-05-28T12:47:41","slug":"der-corona-effekt-vier-zukunftsszenarien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ortho-orofacial.com\/en\/der-corona-effekt-vier-zukunftsszenarien\/","title":{"rendered":"Der Corona-Effekt \u2013 Vier Zukunftsszenarien"},"content":{"rendered":"<h3>Wie wird die Pandemie unser Leben und Wirtschaften ver\u00e4ndern? Das Zukunftsinstitut beschreibt vier m\u00f6gliche Szenarien, wie die Coronakrise die Welt umformen kann. Ein Whitepaper.<\/h3>\n<p><em>(ver\u00f6ffentlicht in Ausgabe 2\/2020)<\/em><\/p>\n<p>Das Coronavirus ersch\u00fcttert die Grundlagen unseres gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Miteinanders \u2013 auf unbestimmte Zeit. Wir erleben ein unkontrollierbares Kollabieren unseres Alltags und der Welt, wie wir sie kannten. Nun geht es f\u00fcr uns alle zun\u00e4chst darum, mit dem neuen Ausnahmemodus zurechtzukommen \u2013 auf dem Weg zur Bew\u00e4ltigung der Krise. Aber was passiert danach?<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2154 alignright\" src=\"https:\/\/ortho-orofacial.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Der-Corona-Effekt-1024x920.png\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"449\" srcset=\"https:\/\/ortho-orofacial.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Der-Corona-Effekt-1024x920.png 1024w, https:\/\/ortho-orofacial.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Der-Corona-Effekt-300x270.png 300w, https:\/\/ortho-orofacial.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Der-Corona-Effekt-768x690.png 768w, https:\/\/ortho-orofacial.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Der-Corona-Effekt.png 1849w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/p>\n<p>Als Zukunftsinstitut sind wir der Beobachtung der Zukunft verpflichtet \u2013 einer Zukunft, die aktuell ungewisser denn je erscheint. In einer solchen Situation hilft es, sich den m\u00f6glichen Entwicklungen mittels Szenarien zu n\u00e4hern. Szenarien skizzieren M\u00f6glichkeitsr\u00e4ume, die sich f\u00fcr uns alle im Kontext der Krise auftun: Welche Entwicklungen k\u00f6nnen wir erwarten? Wie wird das Virus unsere Kulturtechniken, Werte und Konsummuster, unser kollektives Mindset ver\u00e4ndern?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Deshalb hat das Zukunftsinstitut die Coronakrise zum Anlass genommen, vier Szenarien zu entwickeln, die beschreiben, wie unsere Zukunft nach der Pandemie mittelfristig aussehen k\u00f6nnte. Wir stellen sie Ihnen in diesem Paper vor. In den kommenden Wochen werden wir diese Szenarien f\u00fcr Sie weiter beobachten und die Ergebnisse mit Ihnen teilen. Wir m\u00f6chten damit \u00dcbersicht in eine chaotische Situation bringen \u2013 und gemeinsam mit Ihnen entdecken, welche M\u00f6glichkeitsr\u00e4ume sich f\u00fcr Sie, f\u00fcr uns alle, dabei auftun.<\/p>\n<p>Die Szenarien helfen uns, gemeinsam eine neue Zukunft zu formulieren. Denn alles, was wir heute tun und entscheiden, wirkt sich \u00fcber Jahre hinweg aus. Unsere Zukunft entscheidet sich jetzt.<\/p>\n<p><span style=\"color: #56a9a3;\"><strong>\u00dcber die Szenarien<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Den vier Zukunftsszenarien liegen zwei zentrale Basiskoordinaten zugrunde, die die prinzipiell m\u00f6glichen Entwicklungsrichtungen beschreiben:<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #56a9a3;\">1.\u2002<\/span><\/strong>Gelingende Beziehungen versus nicht gelingende Beziehungen (optimistisch versus pessimistisch)<br \/>\n<span style=\"color: #56a9a3;\"><strong>2.\u2002<\/strong><\/span>Lokal versus global (disconnected versus connected)<\/p>\n<p>Ausgehend von den vier m\u00f6glichen Entwicklungen beschreiben die Szenarien gesamtgesellschaftliche Konsequenzen. Wie bei allen Szenarien ist die Darstellung zur Verdeutlichung des erwarteten Wandels zugespitzt und erhebt keinen Anspruch auf eine \u201erealistische\u201c Darstellung. Gerade dadurch hilft sie aber, Orientierung zu schaffen und R\u00e4ume f\u00fcr ein neues, zukunftsweisendes Denken zu \u00f6ffnen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #56a9a3;\"><strong>Die totale Isolation: Alle gegen alle<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Am Anfang war der Shutdown \u2013 und der Shutdown ist zur Normalit\u00e4t geworden. Es ist normal, beim Betreten der Metro den Chip im Handgelenk zu scannen oder sich vor dem ersten Date gegenseitig die Gesundheitsdaten zu schicken. Es ist normal, bei der Ausreise eine Genehmigung zu brauchen, f\u00fcr L\u00e4nder au\u00dferhalb der EU muss sogar ein langwieriges Visumverfahren durchlaufen werden. Der globale Handel geh\u00f6rt weitgehend der Vergangenheit an, die Handelsabkommen einzelner Staaten untereinander gew\u00e4hrleisten die Grundversorgung.<\/p>\n<ul>\n<li>Willkommen in der Super-Safe-Society! Die Gesellschaft definiert sich wieder ganz klar als Nation. Denn Sicherheit kann nur gew\u00e4hrleistet werden, indem die Grenzen der Sicherheitszone klar abgesteckt werden. Sie steht an erster Stelle. Jeder Mensch ist sich selbst der n\u00e4chste, und der Staat setzt alle verf\u00fcgbaren Mittel ein, um die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger zu besch\u00fctzen \u2013 auch, indem er tiefliegende \u00c4ngste sch\u00fcrt oder Lebensmittel k\u00fcnstlich verknappt. Menschen nutzen daher alle m\u00f6glichen Freifl\u00e4chen, um Obst und Gem\u00fcse anzubauen. Der Schwarzmarkt und der Tauschhandel florieren.<\/li>\n<li>De-Urbanisierung: Das Land gewinnt an Macht. Wer kann, zieht raus aus der Stadt, versorgt sich selbst \u2013 und verdient gutes Geld, indem er verarmte St\u00e4dter mit Lebensmitteln versorgt. Der Trend zum Single-Leben, zu immer kleineren Wohnungen und Co-Living, zur Abh\u00e4ngigkeit von \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln und globalen Warenstr\u00f6men hat die Stadtbev\u00f6lkerung unselbstst\u00e4ndig gemacht. Die urbanen Hipster sind zur prek\u00e4ren Klasse geworden.<\/li>\n<li>Germophobia, die Sehnsucht nach Keimfreiheit, hat das Misstrauen gegen\u00fcber Produkten, deren Herkunft nicht klar nachverfolgbar ist, kontinuierlich anwachsen lassen. Obst und Gem\u00fcse werden vor dem Verzehr klinisch desinfiziert, an sicheren Verpackungen wird mit Hochdruck geforscht. Aus Angst, dass Keime \u00fcber die Produkte aus dem Ausland eingeschleppt werden, wurde der Import beschr\u00e4nkt. Es gibt weniger exotische Fr\u00fcchte \u2013 aber vieles kann inzwischen auch hierzulande angebaut werden, dem Klimawandel sei Dank. Landwirtschaft und produzierendes Gewerbe haben einen enormen Aufschwung erlebt, Nearshoring wurde in die Tat umgesetzt.<\/li>\n<li>Was mit Empfehlungen begann, Gro\u00dfveranstaltungen \u00fcber 1.000 Personen abzusagen, hat sich zu einem Verbot von Versammlungen mit \u00fcber 10 Personen entwickelt, zum Wohle der Menschen. Das \u00f6ffentliche kulturelle Leben ist daher fast komplett zum Erliegen gekommen. Konzerte oder Sportevents finden noch statt, aber das Publikum sitzt zu Hause und beobachtet das Geschehen von der heimischen Couch \u2013 kostenlos, vom Staat gef\u00f6rdert. Einst beliebte Third Places wie Caf\u00e9s werden gemieden, Restaurants sind zu Ghost Kitchens geworden, die Kundinnen und Kunden mit Mahlzeiten nach h\u00f6chsten hygienischen Standards beliefern. Insbesondere f\u00fcr St\u00e4dter haben sich die sozialen Kontakte in den virtuellen Raum verlagert.<\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #56a9a3;\"><strong>System-Crash: Permanenter Krisenmodus<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Das Virus hat die Welt ins Taumeln gebracht, und sie kommt nicht mehr heraus. Die Fokussierung auf nationale Interessen hat das Vertrauen in die globale Zusammenarbeit massiv ersch\u00fcttert, eine R\u00fcckkehr zu den gewohnten Routinen ist nicht mehr m\u00f6glich. Die Sorge vor einer erneuten Pandemie macht jede noch so kleine lokale Verbreitung eines Virus zum Ausl\u00f6ser drastischer Ma\u00dfnahmen, von Grenzschlie\u00dfungen bis zur Ressourcenverteidigung. Das verlorengegangene Vertrauen in eine solidarische internationale Kooperation verhindert nachhaltig Stabilit\u00e4t. So wackelt sich die Welt nerv\u00f6s in die Zukunft.<\/p>\n<ul>\n<li>Friktionen in der multipolaren Weltordnung sind an der Tagesordnung: Gegenseitige Schuldzuweisungen, aggressive Drohgeb\u00e4rden und nerv\u00f6ses Handeln im Eigeninteresse wechseln mit Bestrebungen zu Offenheit und Kooperation \u2013 weil dennoch das Bewusstsein vorhanden ist, dass man aufeinander angewiesen ist. Der Neo-Nationalismus nimmt zu, es herrscht ein dauernder Spannungszustand.<\/li>\n<li>Nearshoring wird mit Blick auf die nationalen Absatzm\u00e4rkte zu einer auch politisch-ideologischen Pr\u00e4misse. Zugleich bleibt aber die Abh\u00e4ngigkeit von internationalen Handelsbeziehungen und Warenstr\u00f6men bestehen. Beide Tendenzen stehen dauerhaft unvermittelt nebeneinander und reiben sich. Auch Glokalisierung ist nur noch Ausdruck der Unstimmigkeiten zwischen lokalen und internationalen M\u00e4rkten, die ohne einander nicht k\u00f6nnen. Und Global Citys sind mehr denn je die nerv\u00f6sesten Orte der Welt: Hier werden die Spannungen zwischen den regionalen, nationalen und internationalen Finanz-, Dienstleistungs- und Warenstr\u00f6men unabl\u00e4ssig sp\u00fcrbar.<\/li>\n<li>High times for Big Data! Je unsicherer die Zeiten, umso mehr Analyse wird verlangt. Das Sammeln und Verarbeiten gro\u00dfer Datenmengen erlebt einen kontinuierlichen Aufschwung. Die Entwicklung von K\u00fcnstlicher Intelligenz wird forciert, nicht zuletzt f\u00fcr die Simulation von Krisenszenarien und die Steuerung von Krisen. Folglich nimmt auch Cybercrime im staatlichen Auftrag zu \u2013 mit dem Ziel, die internationalen Konkurrenten zu schw\u00e4chen. Nach innen nutzt der Staat Technologie zur \u00dcberwachung: Predictive Analytics, die datenbasierte Vorausberechnung menschlichen Verhaltens, wird in einer permanent verunsicherten Gesellschaft immer wichtiger.<\/li>\n<li>Privacy ist dementsprechend stark im R\u00fcckzug. Die individuelle Datenfreiheit wird immer st\u00e4rker eingeschr\u00e4nkt, Datenschutz ist gr\u00f6\u00dftenteils abgeschafft, sowohl im internationalen Austausch als auch im Umgang mit der eigenen Bev\u00f6lkerung. Gesundheitsdaten werden zur Staatsangelegenheit \u2013 und die Bev\u00f6lkerung macht mit, da das Vertrauen in die staatliche Vorsorge und Betreuung schon lange geschwunden ist. Immer mehr bauen Menschen auf gesundheitliche Eigenverantwortung, auf Digital Health, kontinuierliches Self Tracking und die \u00dcberwachung ihrer Vitalwerte durch Smart Devices, die pers\u00f6nliche Gesundheitsdaten jederzeit in die staatlichen Datenbanken einspeisen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #56a9a3;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2200 size-medium alignright\" src=\"https:\/\/ortho-orofacial.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/AdobeStock_331972841_bearbeitet-300x205.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"205\" srcset=\"https:\/\/ortho-orofacial.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/AdobeStock_331972841_bearbeitet-300x205.png 300w, https:\/\/ortho-orofacial.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/AdobeStock_331972841_bearbeitet-768x524.png 768w, https:\/\/ortho-orofacial.com\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/AdobeStock_331972841_bearbeitet.png 1000w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Neo-Tribes: Der R\u00fcckzug ins Private<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Nach der Coronakrise hat sich die globalisierte Gesellschaft wieder zur\u00fcck zu st\u00e4rker lokalen Strukturen entwickelt. Es wird mehr Wert denn je auf regionale Erzeugnisse gelegt, kleine Gemeinschaften entstehen neu und verfestigen sich \u2013 immer in vorsichtiger Abgrenzung gegen die anderen. Nachhaltigkeit und Wir-Kultur sind wichtige Werte, die aber nur lokal gedacht werden, nicht global.<\/p>\n<ul>\n<li>Die Menschen vertrauen staatlichen Akteuren und supranationalen B\u00fcndnissen nicht mehr \u2013 und trauen ihnen auch keine Handlungsmacht mehr zu. Die Abkehr von der globalen Weltgemeinschaft m\u00fcndet in eine partikularisierte Wir-Kultur und die vermehrte Bildung von Neo-Tribes. Gemeinschaft wird im Kleinen gesucht, denn im Zuge der Coronakrise ist der Trend zur Post-Individualisierung f\u00fcr eine breitere Masse attraktiv geworden.<\/li>\n<li>Die Angst vor Ansteckung hat einen R\u00fcckzug ins Private und die Wiederentdeckung der H\u00e4uslichkeit befeuert. Gro\u00dfveranstaltungen gibt es praktisch nicht mehr, daf\u00fcr wird viel gestreamt, denn via Virtual Reality kann man an Mega-Events teilnehmen, ohne dabei das sichere Zuhause verlassen zu m\u00fcssen. Nachbarschaftshilfe wird gro\u00dfgeschrieben, es existieren feste Strukturen, wie man sich im Krisenfall untereinander helfen kann. Vorr\u00e4te werden geteilt oder getauscht, auf die Alten und Schwachen wird besondere R\u00fccksicht genommen. Auch ziehen Menschen vermehrt aufs Land oder in kleinere St\u00e4dte \u2013 die Progressive Provinz hat ihren Peak erreicht.<\/li>\n<li>Statt \u00f6ffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, wird immer mehr auf Fahrrad oder E-Roller umgestiegen. Fernreisen haben stark an Attraktivit\u00e4t verloren \u2013 im Gegensatz zu umliegenden Regionen oder Nachbarl\u00e4ndern. Die massive De-Touristification f\u00fchrt dazu, dass sich ganze Landschaften und ehemalige Tourismus-Hotspots vom Overtourism erholen. Reisen ist nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich, sondern wird \u2013 wieder \u2013 als etwas Besonderes gesehen, auch weil es in Post-Corona-Zeiten eine Menge Vorsichtsma\u00dfnahmen und viel Planung erfordert. Tourismus wird noch mehr zum Resonanz-Tourismus.<\/li>\n<li>Der Ausfall globaler Handelsketten und das Misstrauen gegen\u00fcber bestimmten Herkunftsl\u00e4ndern f\u00fchren zu einer fundamentalen Re-Regionalisierung. Menschen kaufen mehr denn je lokal, die Sharing Economy gewinnt in regionalen Netzwerken stark an Auftrieb, traditionelle Handwerkstechniken erleben eine Renaissance. Urban Farming und Genossenschaften l\u00f6sen kapitalistische Konsummuster ab, in regionalen Gemeinschaften erw\u00e4chst eine Circular Economy mit autonomen \u00d6kosystemen. Konzepte wie Cradle to Cradle oder Postwachstum sind selbstverst\u00e4ndlich in den Alltag der Menschen eingebettet \u2013 als ebenso gew\u00fcnschte wie notwendige Praktiken. Die Wirtschaft funktioniert im Regionalen vollkommen autark.<\/li>\n<li>Die Coronakrise hat sich als \u00fcberraschender Treiber von New-Work-Trends hin zu mehr Flexicurity erwiesen: Dadurch, dass Flexibilit\u00e4t am Arbeitsplatz aus der Not heraus breitfl\u00e4chig erm\u00f6glicht wurde, haben sich Arbeitskulturen dauerhaft ver\u00e4ndert. Home Office ist nun essenzieller Bestandteil jeder Unternehmenskultur, internationale Unternehmen vereinbaren Meetings in VR-Konferenzen, Vertr\u00e4ge werden via Blockchain geschlossen. Digital-Health-Anwendungen errechnen schon im Vorhinein das m\u00f6gliche Risiko pers\u00f6nlicher Gesch\u00e4ftsmeetings \u2013 von denen aber ohnehin meist abgeraten wird.<\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #56a9a3;\"><strong>Adaption: Die resiliente Gesellschaft<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Die Weltgesellschaft lernt aus der Krise und entwickelt resiliente, adaptive Systeme. Gesellschaftliche Tiefenstr\u00f6mungen in Richtung Postwachstum, Wir-Kultur, Glokalisierung und Post-Individualisierung, die bereits vor der Krise existierten, werden durch die kollektive Corona-Erfahrung von der Nische in den Mainstream katapultiert.<\/p>\n<ul>\n<li>Das Coronavirus hat eine Selbstreinigung der M\u00e4rkte angesto\u00dfen: eine kollektive Reflexion der Herkunft unserer G\u00fcter, die zu neuen Konsummustern angeregt hat. Der Ausfall globaler Produktions- und Handlungsketten hat zu einer Wiederentdeckung heimischer Alternativen gef\u00fchrt. Der station\u00e4re Handel, regionale Produkte und Lieferketten haben einen Aufschwung erlebt. So ist nicht nur eine sinnvolle Balance zwischen online und offline entstanden, sondern vor allem ein kluger Umgang mit globalisierten Handelsketten, ein Gleichgewicht von lokalem und globalem Handel und eine Bl\u00fcte der Direct-Trade-Plattformen. Seitdem boomen Wochenm\u00e4rkte, regionale Erzeuger und lokale Online-Shops. Die Monopolstellung von Online-H\u00e4ndlern wie Amazon und Alibaba hat sich zugunsten mehrerer kleinerer Player aufgel\u00f6st, die weniger abh\u00e4ngig von globalen Produktionsketten und schneller lokal verf\u00fcgbar sind. Die Gesellschaft bewegt sich weg von Massenkonsum und Wegwerf-Mentalit\u00e4t, hin zu einem ges\u00fcnderen Wirtschaftssystem.<\/li>\n<li>Corona hat die Vision eines neuen holistischen Gesundheitsverst\u00e4ndnisses wahr werden lassen: Gesundheit wird nicht l\u00e4nger als etwas gesehen, das nur den individuellen K\u00f6rper und das eigene Verhalten betrifft. Vielmehr wird Gesundheit ganzheitlicher betrachtet: Umwelt, Stadt, Politik, Weltgemeinschaft \u2013 all das sind wichtige Faktoren f\u00fcr die menschliche Gesundheit. Weltgesundheit und individuelle Gesundheit werden zusammengedacht. Dieses neue Mindset krempelt das gesamte Gesundheitssystem um: Regierungen, Stadtplanung und Unternehmen kooperieren, um gesunde Umwelten f\u00fcr alle zu schaffen. Die Nutzung von Digital-Health-Apps ist in diesem Zusammenhang selbstverst\u00e4ndlich geworden, um Gesundheitsdaten in Echtzeit anonymisiert zu teilen. Dank Predictive Health k\u00f6nnen so genaue Vorhersagen, etwa \u00fcber die Wahrscheinlichkeiten einer Epidemie, getroffen werden. Allen ist klar: Die individuelle Gesundheit kann nicht mehr entkoppelt von Umwelt und Gesellschaft gesehen werden.<\/li>\n<li>Globale Risiken erfordern \u00fcberstaatliche Akteure, die global vernetzt agieren k\u00f6nnen. So hat die Coronakrise politische Handlungsmacht neu gewichtet. W\u00e4hrend Nationalstaaten an Relevanz verloren haben, werden St\u00e4dte und supranationale Instanzen immer wichtiger \u2013 eine Re-Organisation im Sinne der Glokalisierung: Die lokale Ebene (St\u00e4dte, Gemeinden, B\u00fcrgermeister etc.) verkn\u00fcpft sich direkt mit globalen Organisationen. So k\u00f6nnen lokale Probleme schnell und kreativ gel\u00f6st und auch globale Risiken schneller erkannt und kooperativ angegangen werden. Insgesamt nimmt die Menschheit sich seit der Pandemie st\u00e4rker als globale Gemeinschaft wahr, die Herausforderungen gemeinsam l\u00f6sen muss. Denn weder eine Epidemie noch die Klimakrise macht vor Nationalgrenzen halt. Es ist eine globale Identit\u00e4t entstanden, getragen von einem fundamentalen Wertewandel: Solidarisierung und Wir-Kultur nicht nur mit den N\u00e4chsten, sondern auch auf internationaler und globaler Ebene.<\/li>\n<li>Die Coronakrise hat zu konkreten Learnings im supra-nationalen Umgang mit Big Data, Predictive Analytics und Fr\u00fchwarnsystemen gef\u00fchrt. K\u00fcnstliche Intelligenz wird nun konstruktiver eingesetzt: nicht nur, um fr\u00fchzeitig Epidemien einzud\u00e4mmen, sondern zur Minimierung aller m\u00f6glichen Risiken, die sich nicht um Landesgrenzen scheren. Jeder Mensch ist mit Health-Tracking-Devices ausgestattet, denn durch den globalen Austausch aktueller Gesundheitsdaten k\u00f6nnen Risiken fr\u00fchzeitig erkannt werden. Das kontinuierliche Voneinander-Lernen in einer Vielzahl funktionierender Netzwerke schafft eine globale Resilienz. Dieser neue Spirit pr\u00e4gt auch die Medienlandschaft: Konstruktiver Journalismus stellt L\u00f6sungsans\u00e4tze in den Mittelpunkt, statt Alarmismus und Fake News zu verbreiten. Auch das tr\u00e4gt dazu bei, eine resiliente und adaptive Gesellschaft zu erhalten, die wei\u00df, wie sie produktiv mit Krisen umgehen kann.<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<p><strong><span style=\"color: #56a9a3;\">\u00dcber das Zukunftsinstitut<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"color: #56a9a3;\"><a style=\"color: #56a9a3;\" href=\"http:\/\/www.zukunftsinstitut.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>www.zukunftsinstitut.de<\/em><\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #56a9a3;\">Das Zukunftsinstitut wurde 1998 gegr\u00fcndet und hat die Trend- und Zukunftsforschung von Anfang an ma\u00dfgeblich gepr\u00e4gt. Heute gilt das Unternehmen als international f\u00fchrender Ansprechpartner bei Fragen zur Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft. Ziel der Arbeit ist, die Orientierung und Business-Intelligenz der Kunden zu sch\u00e4rfen. Das schafft Raum f\u00fcr neue, zukunftsweisende Strategien, wirtschaftliche Transformation und Innovation. Das Zukunftsinstitut versteht sich als Sparringspartner, der einen differenzierten Blick auf Zukunftsfragen mitbringt, um neues Denken zu erm\u00f6glichen.<\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Bildnachweise<\/strong><\/p>\n<p>&lt;sup&gt;\u00ae&lt;\/sup&gt;StockPhotoPro &#8211; stock.adobe.com<br \/>\n&lt;sup&gt;\u00ae&lt;\/sup&gt;freshidea &#8211; stock.adobe.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie wird die Pandemie unser Leben und Wirtschaften ver\u00e4ndern? Das Zukunftsinstitut beschreibt vier m\u00f6gliche Szenarien, wie die Coronakrise die Welt umformen kann. Ein Whitepaper. (ver\u00f6ffentlicht in Ausgabe 2\/2020) Das Coronavirus ersch\u00fcttert die Grundlagen unseres gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Miteinanders \u2013 auf unbestimmte Zeit. Wir erleben ein unkontrollierbares Kollabieren unseres Alltags und der Welt, wie wir sie [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":2157,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[23],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ortho-orofacial.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2203"}],"collection":[{"href":"https:\/\/ortho-orofacial.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ortho-orofacial.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ortho-orofacial.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ortho-orofacial.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2203"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/ortho-orofacial.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2203\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2204,"href":"https:\/\/ortho-orofacial.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2203\/revisions\/2204"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ortho-orofacial.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2157"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ortho-orofacial.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2203"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ortho-orofacial.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2203"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ortho-orofacial.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2203"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}