{"id":2934,"date":"2020-12-03T12:47:17","date_gmt":"2020-12-03T12:47:17","guid":{"rendered":"https:\/\/ortho-orofacial.com\/?p=2934"},"modified":"2020-12-03T12:47:17","modified_gmt":"2020-12-03T12:47:17","slug":"funktionsorientierte-logopaedie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ortho-orofacial.com\/en\/funktionsorientierte-logopaedie\/","title":{"rendered":"Funktionsorientierte Logop\u00e4die"},"content":{"rendered":"<h3><\/h3>\n<h3>Der Einfluss von Haltung und Bewegung auf Schlucken, Sprechen und Sprache<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><em>Rezensiert von Dr. Volkmar Clausnitzer, <\/em><br \/>\n<em>mit freundlicher Genehmigung des Berufsverbands Sprechen (BVS)<\/em><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit diesem Werk ist den Herausgeberinnen unter Federf\u00fchrung von S. Codoni und der Mitarbeit von weiteren ausgewiesenen Vertretern verschiedener Fachrichtungen ein hervorragendes Buch zum gegenw\u00e4rtigen Stand der Logop\u00e4die\/Sprach-Sprechtherapie und myofunktionellen Therapie gelungen. Die zw\u00f6lf MitautorInnen, zum Teil hochkar\u00e4tige Wissenschaftler und Praktiker, haben die Ber\u00fccksichtigung des neuesten wissenschaftlichen Standards ihrer Profession garantiert. Damit werden gesicherte Basiskenntnisse zum Gegenstand und weiterf\u00fchrende Anregungen aus interdisziplin\u00e4rer Sicht vermittelt. Das gilt insbesondere f\u00fcr die MFT, die in die Behandlungskonzepte einer gro\u00dfen Anzahl von Krankheiten und physiologisch-funktionellen St\u00f6rungen, vor allem im orofazialen bzw. stomatognathen, oropharyngealen und laryngealen Bereich, und dar\u00fcber hinaus im gesamten Organismus der Patienten eingeordnet wird. Die AutorInnen weisen damit auf die Weiterentwicklung der Therapie von orofazialen Dysfunktionen hin zu einem ganzheitlichen Vorgehen entsprechend der Erkenntnis von den funktionellen und morphologischen Zusammenh\u00e4ngen und von deren Komplexit\u00e4t, Vielschichtigkeit und den Wechselwirkungen zwischen all diesen Faktoren. Diese Einbeziehung der Ganzheit des Menschen in allen seinen physiologisch-funktionellen, organischen, kognitiven, emotionalen und sozial-kommunikativen Seiten wird schon im Untertitel des Buchs \u201eEinfluss von Haltung und Bewegung [und deren Koordination, V.C.] auf Schlucken, Sprechen und Sprache\u201c deutlich.<\/p>\n<p>Es wird erkennbar, dass nur auf diese Weise die drei wesentlichen Kompetenzen des Menschen \u2013 Sprache, Sprechen, Schlucken (Nahrungsaufnahme) \u2013 therapeutisch erfasst werden k\u00f6nnen. Die erw\u00e4hnten Zusammenh\u00e4nge ber\u00fccksichtigte ja bereits der \u201eVater\u201c der MFT, A. P. Rogers, in seinem Behandlungskonzept zu Anfang des 20. Jahrhunderts, was sp\u00e4ter jedoch oft \u201evergessen\u201c, aber in weiteren Phasen doch wieder aufgegriffen wurde. Vor allem wurden von S. Codoni seit \u00fcber 30 Jahren in ihren verschiedenen Therapieans\u00e4tzen zur Behandlung von unterschiedlichen orofazialen Dysfunktionen und St\u00f6rungen der Sprache und des Sprechens diese Prinzipien auf einer stets h\u00f6heren Ebene verwirklicht. Das vorliegende Buch stellt gleichsam auf der Grundlage dieser Erfahrungen den bisherigen H\u00f6hepunkt der Entwicklung der MFT dar, was sich nicht zuletzt in der Mitarbeit von zw\u00f6lf CoautorInnen auch im interdisziplin\u00e4ren Charakter dieses Therapieverfahrens und dar\u00fcber hinaus der verschiedenen sprach-sprechtherapeutischen Disziplinen manifestiert. \u201eDer interdisziplin\u00e4re Ansatz in der funktionsorientierten Logop\u00e4die beschreitet neue Wege\u201c (Vorwort, Seite V).<\/p>\n<p>Nach dem Vorwort der drei Herausgeberinnen stellt Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Dr. h. c. F. Zeilhofer im 1. Kapitel \u201eGesicht und Identit\u00e4t\u201c eine Verbindung des Gegenstands der \u201eFunktionsorientierten Logop\u00e4die\u201c (einschlie\u00dflich der MFT) zur Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie her und vermittelt damit ihre anthropologischen Bez\u00fcge. Im<br \/>\n2. Kapitel \u201eEin interdisziplin\u00e4rer Fokus auf funktionelle St\u00f6rungen\u201c ordnen Dr. h. c. S. Codoni (Dipl. Logop\u00e4din, Myofunktionelle, Craniosacrale und Craniofaziale Therapeutin) und I. Spirgi-Gantert (Physiotherapeutin) den Gegenstand des Buchs in seinen Entwicklungsablauf mit wichtigen Ausblicken auf weitere notwendige Anforderungen unter dem Aspekt der Einbeziehung neuer wissenschaftlicher und praktischer Erkenntnisse und organisatorischer Aufgaben ein. So wird eines ihrer Hauptziele deutlich, die Etablierung der Erkenntnis der Ganzheitlichkeit und Komplexit\u00e4t der Patienten in allen therapeutischen F\u00e4chern. Anschlie\u00dfend werden von Prof. Dr. med. habil. Dr. med. dent. R. J. Radlanski (Kieferorthop\u00e4de) im Kapitel 3 \u201eAnatomische und physiologische Grundlagen\u201c in ihrer ontogenetischen Entwicklung vom Stadium des Embryos bis zum Erwachsenen sehr anschaulich und bis ins Detail gehend dargestellt. Hier bestechen besonders die zahlreichen hervorragenden farbigen Abbildungen.<\/p>\n<p>Im 4. Kapitel werden die Leser von Dr. med. dent. med. pract. Jeannette A. von Jackowski mit der Vielfalt der Aufgaben der \u201eOralen Chirurgie\u201c vertraut gemacht, die auch die heutigen und zuk\u00fcnftigen Logop\u00e4den, Sprach-Sprechtherapeuten und myofunktionellen Therapeuten immer mehr ber\u00fchren werden. Das gilt ebenso f\u00fcr die von der gleichen Autorin im 5. Kapitel \u201eMund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie\u201c vorgestellten Erkrankungen und St\u00f6rungen, insbesondere LKGS-Spalten, der Zungen- und Lippenfrenula, Nervl\u00e4sionen, Kraniomandibul\u00e4re Dysfunktionen (CMD), Erkrankungen der Z\u00e4hne und Kiefer (z. B. nach Dysgnathieoperationen), Tumore, Zungenoperationen und Syndrome. Von Prof. Dr. odont. A. Hasund, Dr. med. dent. A. Karoglan und Dr. med. dent. K. Habersack werden in Kapitel 6 die Grundz\u00fcge der \u201eFunktionskieferorthop\u00e4die \u2013 Stellenwert im interdisziplin\u00e4ren Konzept\u201c dargestellt. Es wird u.a. auf die Abstellung der orofazialen Dysfunktionen hingewiesen, weil andernfalls \u201eselten ein stabiles Behandlungsergebnis erzielt werden\u201c kann (Seite 95).<\/p>\n<p>Sehr gut werden die bereits genannten Zusammenh\u00e4nge, in die die MFT eingebunden ist, von Dr. med. G. Stelzig (HNO-\u00c4rztin, Phoniaterin) im 7. Kapitel \u201eEin phoniatrischer Beitrag zu orofazialen und pharyngolaryngealen Funktionen\u201c ber\u00fccksichtigt, und zwar von der Mundmotorik und den orofazialen Funktionen \u00fcber fr\u00fchkindliche Besonderheiten, die Atmung, die Stimme bis zur Singstimme, das Lachen und andere laryngeale \u00c4u\u00dferungsformen im Kontext mit der Gesamtperson des Menschen.<\/p>\n<p>Im Kapitel 8 \u201eDas Konzept der k\u00f6rperorientierten Sprachtherapie (k-o-s-t)<sup>\u00ae<\/sup> nach S. Codoni\u201c wird das zentrale Anliegen von Dr. h. c. S. Codoni deutlich: Die Autorin ordnet ihr holistisches MFT-System k-o-s-t<sup>\u00ae<\/sup> folgerichtig in die Geschichte der MFT ein. Sie versteht dieses Therapieverfahren als einen Teil des \u201eBasler L\u00e4llekonzepts der myofunktionellen Therapie\u201c (\u201eL\u00e4lli\u201c = Zunge, Seite 135) und als Versuch, \u201eWege neu [zu] gehen\u201c (Seite 113). Dieser verdienstvolle Versuch macht im Kontext mit den anderen Kapiteln den gro\u00dfen Wert des ganzen Buchs aus. Von der gleichen Autorin stammt das 9. Kapitel: \u201ek-o-s-t<sup>\u00ae<\/sup> Stimulationen \u2013 ,Schritt f\u00fcr Schritt\u2018 und in der Behandlung im orofazialen System\u201c. Hier beschreibt S. Codoni die zu behandelnden morphologischen syndromalen, unfall- und krankheitsbedingten Ver\u00e4nderungen im orofazialen Bereich sowie die Inhalte und methodischen Grundz\u00fcge der Stimulationstherapie. Die einzelnen Anwendungen reichen von Manipulationen im Kopfbereich bis zu solchen am gesamten K\u00f6rper. Dabei wird eine Reihe von \u00dcbungen aus anderen MFT-Systemen, z. B. Padovans NRP und aus dem \u201eBasler L\u00e4llekonzept der MFT\u201c, sowie aus der \u201eFunktionsorientierten Faszientherapie\u201c (Kapitel 10) und der \u201eFunktionellen Bewegungslehre nach Klein-Vogelbach\u201c (Kapitel 11) einbezogen.<\/p>\n<p>S. Bacha (Physio- und Faszientherapeut) besch\u00e4ftigt sich im 10. Kapitel \u201eFunktionsorientierte Faszientherapie (FOFT). Myofaszien im Kontext einer Dysfunktion des K\u00f6rperabschnitts Kopf\u201c auf der Basis bedeutender wissenschaftlicher Publikationen mit diesem in unseren Fachrichtungen noch relativ selten ber\u00fccksichtigten \u201efunktionelle[n] zusammenh\u00e4ngende[n] kollagenfaserige[n] Organ\u201c (Seite 172). Dieses Gewebe umh\u00fcllt s\u00e4mtliche anderen Organe, Muskeln, Knochen, Nerven und Gef\u00e4\u00dfe und erf\u00fcllt vielf\u00e4ltige Aufgaben. Der Autor beschreibt auch die morphologischen Strukturen sowie das funktionelle Konzept der myofaszialen Ketten und ihre therapeutische Ber\u00fccksichtigung. Das Ziel der Therapie ist die Erreichung eines gesunden Fasziensystems als eine Voraussetzung eines normalen funktionellen Bewegungsverhaltens des ganzen Organismus.<\/p>\n<p>Die Physiotherapeutinnen I. Spirgi-Gantert und G. Henzmann-Mathys gehen im 11. Kapitel auf die theoretischen Grundlagen und die Behandlungstechniken von \u201eFBL Klein-Vogelbach Functional Kinetics. Bewegung beobachten, analysieren und instruieren\u201c ein. Dieses Therapiesystem ergibt durch seinen auf den Gesamtk\u00f6rper der Patienten (insbesondere Konstitution, Beweglichkeit, Statik, Atmung) gerichteten Fokus eine weitere Hilfsm\u00f6glichkeit in der Behandlung von Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckst\u00f6rungen. Ein spezielles \u00dcbungssystem f\u00fcr Kinder wird von dem Physiotherapeuten J. Hentschel im 12. Kapitel beschrieben: \u201eFAITH-kids. Functional Analysis and Individual Training for Hypotonic Kids \u2013 Funktionelle Analyse und individuelles Training f\u00fcr hypotone Kinder\u201d. Dieses System hat \u00e4hnliche Ziele und Behandlungstechniken wie das in Kapitel 11 beschriebene, eben f\u00fcr hypotone Kinder und Jugendliche. Es ist prim\u00e4r f\u00fcr Patienten der k-o-s-t\u00ae-Klientel entwickelt und inzwischen auch f\u00fcr Erwachsene erprobt worden.<\/p>\n<p>Im 13. Kapitel wird das Anliegen des Buchs von Prof. Dr. Dr. R. J. Radlanski, Dr. h. c. S. Codoni und I. Spirgi-Gantert anhand des Fallbeispiels einer Profiklarinettistin verdeutlicht.<\/p>\n<p>Ein Sachregister und ein umfangreiches Download-Angebot (\u00fcber 370 MB) mit zus\u00e4tzlichem Material zu den einzelnen Kapiteln, wie z.B. Videos von Behandlungen, Lehrfilmen f\u00fcr Eltern und Studierende, Handouts zu den Stimulationstechniken und \u00dcbungen der Kapitel 9 und 11 sowie Arbeitsbl\u00e4tter f\u00fcr Lernende, runden das faktenreiche Werk ab. Auch der didaktisch geschickte Aufbau eines jeden Kapitels, die farblich hervorgehobenen Merks\u00e4tze, die hervorragenden Fotos, Grafiken und R\u00f6ntgenbilder sowie die bei hoher wissenschaftlicher Qualit\u00e4t verst\u00e4ndliche Diktion zeichnen das ganze Buch aus und unterstreichen den gro\u00dfen Wert der vermittelten Inhalte.<\/p>\n<p>Zusammengefasst: Die besprochene Ver\u00f6ffentlichung von S. Codoni et al. gibt einen sehr guten Einblick in das Wesen und die M\u00f6glichkeiten heutiger Logop\u00e4die\/Sprach- und Sprechtherapie am Beispiel der Funktionsorientierten Logop\u00e4die sowie in den Entwicklungsstand der MFT. Es werden deren vielf\u00e4ltige Quellen und Potenzen sowie ihre Entwicklungsreserven einbezogen. Die Publikation kann dar\u00fcber hinaus als eine wichtige Grundlage f\u00fcr die Erarbeitung eines einheitlichen Berufsbildes f\u00fcr Therapeuten von Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckst\u00f6rungen gewertet werden, wobei zuk\u00fcnftig auch die Dysphagietherapie ber\u00fccksichtigt werden sollte. Insofern ist das Buch s\u00e4mtlichen entsprechenden Therapeuten, auch den KollegInnen aller Teilbereiche der Sprechwissenschaft, sowie allen involvierten Medizinern, Zahn\u00e4rzten und Kieferorthop\u00e4den zu empfehlen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Einfluss von Haltung und Bewegung auf Schlucken, Sprechen und Sprache &nbsp; Rezensiert von Dr. Volkmar Clausnitzer, mit freundlicher Genehmigung des Berufsverbands Sprechen (BVS) &nbsp; Mit diesem Werk ist den Herausgeberinnen unter Federf\u00fchrung von S. 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