Fünf globale Zukunftstrends

Zum 50-jährigen Jubiläum von BSH Hausgeräte wollte das Unternehmen wissen, wie sich die Bedürfnisse der Konsumenten verändern. Welche Zukunftstrends sind absehbar? Das Ergebnis: Vor allem Erlebnisorientierung, Gesundheitsbewusstsein, Nachhaltigkeit, Vernetzung und Lebensmanagement in einer granularen Welt sind wichtig.

Globalisierung, Individualisierung, Pluralisierung, Digitalisierung – die Welt ändert sich rasant und scheint täglich komplexer zu werden. Wir alle sind uns der gesellschaftlichen und ökologischen Zusammenhänge unseres Lebens heute bewusster als früher. Wir stehen vor der Herausforderung, neue Verhaltensmuster zu finden, die uns zu einem erfolgreichen, glücklichen Leben in einer Welt mit unendlichen Möglichkeiten verhelfen. Mit unserem Handeln ändert sich auch unser Lebensstil, nicht zuletzt hinsichtlich der Frage, was wir brauchen, um uns zu Hause zu fühlen. Es gibt fünf große Themenbereiche, für die Verbraucher sinnvolle, komfortable und faszinierende Lösungen erwarten.

Erlebnisorientierung

Erlebnisse werden in den kommenden 15 Jahren zur sozialen Währung der modernen Welt. Aus den Erfahrungen, die wir sammeln, entstehen die Geschichte und die Bedeutung unseres eigenen Lebens.

Anstatt nach Besitz streben wir nach Bedeutsamkeit, nach Erlebnissen, die uns außergewöhnliche neue Chancen und Perspektiven für unsere persönliche Entwicklung eröffnen – auch im Privaten. Wir möchten unser Leben zu Hause mit anderen teilen, als Helden unserer ganz persönlichen Geschichte. Diese einzigartigen Erlebnisse öffentlich zu machen, wird unsere Art zu zeigen, wer wir sind. Außerdem wünschen wir uns Anregungen für mehr Kreativität.

Wir erwarten auch im Alltag das Außergewöhnliche: überraschende Sinnlichkeit durch unerwartete Texturen und besondere Geschmackserlebnisse. Kontinuierliche Stimulation bereichert unser Leben zu Hause und wertet es auf. Unsichtbare Technologien im Hintergrund sorgen dafür, dass wir uns ganz auf unvergessliche Erlebnisse konzentrieren können.

Gesundheitsbewusstsein

Angesichts immer besserer Technologien, um die eigene Gesundheit zu überprüfen und zu optimieren, und angesichts der offensichtlich gesundheitsgefährdenden Auswirkungen unseres modernen Lebensstils fühlen wir uns zunehmend verantwortlich, etwas für uns zu tun. Gesundheit wird zum wichtigen, universellen Wert und zum individuellen Unterscheidungsmerkmal in der Gesellschaft.

Um die persönlichen und gesellschaftlichen Erwartungen an unsere Gesundheit zu erfüllen, suchen wir nach einfachen, erschwinglichen Lösungen, mit denen wir die Anforderungen des modernen Lebens und Arbeitens ausgleichen können. Wir nutzen vermehrt datenbasierte Gesundheitsberatung und andere informative Gesundheitsangebote in unserem Zuhause, und wir haben das starke Bedürfnis nach Schutz vor einer gesundheitsschädlichen, bedrohlichen Außenwelt. Gleichzeitig erkennen wir den Zusammenhang zwischen unserer eigenen und der öffentlichen Gesundheit, die wir in Zukunft als ebenso schützenswert einstufen.

Nachhaltigkeit

Wir werden uns immer stärker bewusst, dass unsere Gesundheit, unser Wohlstand und das harmonische Zusammenleben als Gesellschaft durch den modernen Lebensstil gefährdet sind. Daher denken und handeln wir bewusster und verantwortungsvoller im Hinblick auf die sozio-ökologischen Folgen unseres Konsums und unseres persönlichen Lebensstils.

Persönliche und ökologische Ziele werden über integrierte Lösungen direkt miteinander verbunden. Nachhaltiges Handeln im häuslichen Umfeld wird zum festen Bestandteil der Alltagsroutine und durch eine natürliche Ästhetik und neue, spielerische, unterhaltsame Ansätze zum Vergnügen. Verstärkt versuchen wir, unser Zuhause in die Natur zu integrieren, unseren Wohnraum an natürliche Bedingungen und Abläufe anzupassen und mit unserer Umgebung im Einklang zu leben.

Verantwortungsbewusstes Handeln gehört in Zukunft zur Imagepflege und verlangt nach unmittelbarem Feedback und Transparenz unserer nachhaltigen Aktivitäten: Nachhaltigkeit soll für uns und unser gesellschaftliches Umfeld sichtbar werden.

Im Rahmen kultursensibler Ansätze entwickeln wir neue Formen gemeinschaftlicher Umweltarbeit, die gezielt auf Multiplikator-Effekte setzen. Nachhaltigkeit wird damit zu einem wichtigen moralischen Eckpfeiler unserer Gesellschaft, zur allgemeingültigen Maxime und zum im Alltag gelebten Grundsatz.

Leben in einer vernetzten Welt

Wir leben in einer zunehmend technologisierten Welt, in der die ständige Vernetzung, der „Online-Modus“, zum Standard wird. Das berührt alle Aspekte unseres Lebens und steigert die Nachfrage nach unsichtbarer, anpassungsfähiger und unaufdringlicher Technologie. Gleichzeitig wird aber auch der Wunsch nach analogen Erfahrungen geweckt. Wir schätzen die Annehmlichkeiten der Digitalisierung, die uns smarte Lösungen jenseits von Besitztum zur Verfügung stellt. Wir schöpfen die Vorteile der neuen vernetzten Möglichkeiten voll aus, wollen jedoch nicht von der digitalen Welt kontrolliert werden. Wir möchten selbst die Kontrolle behalten oder sogar aus unserem von Algorithmen bestimmten Leben ausbrechen. Wir suchen das Unerwartete, die Inspiration des Unvorhersehbaren, wir suchen Herausforderungen und persönliche Entwicklung.

Das Leben in der Öffentlichkeit, das ständige Online-Sein, wird für uns in der Zukunft zum Normalfall. Umso mehr wünschen wir uns von Zeit zu Zeit, dass wir uns in unserer Freizeit voll auf eine einzige Aufgabe, auf ein einziges Projekt konzentrieren können. Von unserem Zuhause erwarten wir in unserem digitalisierten Leben daher echte Intimität und absoluten Datenschutz.

Lebensmanagement in einer
granularen Welt

Die Art und Weise, wie wir unser Leben und unseren Haushalt organisieren, wird sich verändern. Wir möchten einerseits von einer Welt voller Möglichkeiten profitieren, uns aber andererseits Rückzugsmöglichkeiten und Inseln der Intimität bewahren. Zeit wird noch kostbarer, und Zeitmanagement wird von einer bloßen Fähigkeit zum Indikator für ein erfolgreiches Leben.

Um die Komplexität unseres Lebens zu reduzieren, vergeben wir Arbeiten im Haushalt immer häufiger an externe Dienstleister und wenden uns temporären oder projektähnlichen Aktivitäten zu. Wir versuchen, unsere Privatsphäre zu schützen: Was ist öffentlich, wann möchten wir den Kontakt nach außen, was ist privat und wann? Gleichzeitig wird die Kontrolle über Integration und Trennung von Arbeit und Leben zu einer zentralen Herausforderung in unserem Zuhause.

Wir möchten, dass unser Handeln wirksam ist, und wir möchten diese Wirksamkeit sehen und fühlen können. Die Geräte in unserem Haushalt sollen daher nicht nur intelligent sein, sondern mitdenken: Sie sollen soziale Anlässe und persönliche Vorlieben sofort erkennen und entsprechend reagieren.


 

Dieser Beitrag erscheint mit freundlicher Genehmigung des Jahreszeiten-Verlags, der unter anderem das Zukunfts-Magazin verlegt.

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