Schneller, digitaler, interdisziplinärer

Kieferorthopädie auf der Internationalen Dental-Schau im September

Christian Ehrensberger

Bei wenig veränderter Grundausrichtung in der Kieferorthopädie ändern sich „nur“ die Werkzeuge – aber mit spürbarer Auswirkung auf die Praxis. Welche Entwicklungen diese Fachdisziplin aktuell voranbringen, erfährt der Besucher der Internationalen Dental-Schau (IDS), vom 22. bis zum 25. September 2021, in Köln.
 
Outsourcing individueller Retainer – kürzere Lieferzeiten

Heute lassen sich digitale oder gemischt analog/digitale Wege beschreiten. Beispiel Retainer: Bei der Variante „durchdigitalisiert“ beginnt der Kieferorthopäde mit einem Intraoralscan, spezifiziert beispielsweise „Retainer, OK, von 3 nach 3“ und schickt den entsprechenden STL-Datensatz einem Zentralfertiger bzw. einem industriellen Dienstleister. Alternativ zum Intraoralscan kann ein Gipsmodell mit einem eigenen Laborscanner oder durch den externen Dienstleister digitalisiert werden. Zirka zwei Tage nach Vorlage der elektronischen Daten erhält die Praxis einen virtuellen Entwurf für den Retainer. Der Kieferorthopäde gibt diesen Entwurf zur Fertigung frei. Sollten noch Änderungen am Entwurf erforderlich sein, ist dies natürlich möglich.

Nach Eingang der Freigabe sendet der externe Dienstleister innerhalb von zirka neun Tagen den (realen) Retainer an die Praxis. Die Lieferzeit von 3D-Retainern wird sich in naher Zukunft noch verkürzen  – auch ein Thema auf der IDS 2021.

Digitale Workflows mit unterschiedlichem Grad an Flexibilität

Vieles hängt von der Gesamtphilosophie ab. Das Spektrum reicht von einer „Blackbox“ mit einem definierten Input- und einem ebenso definierten Output-Kanal bis zu transparenten und flexiblen Workflows. Bei den letzteren hält sich der Anwender viele Optionen zum „Ein- und Ausschleusen“ von Daten offen. Im anderen Falle zieht er einen klar festgelegten, zuverlässig funktionierenden Workflow konsequent durch.

Kurz: Es gibt viele Varianten. Die IDS 2021 stellt eine fundierte Informationsbasis für erfolgssichere Zukunftsentscheidungen bereit.

Selbst in die Hand nehmen, extern vergeben oder teils/teils

Dabei stellt sich stets auch die Frage: Was genau soll ich selbst in der eigenen Praxis übernehmen, was auslagern? Schließlich kann der stärker digitalaffine Kieferorthopäde seine Design-Vorschläge mit geeigneter Software allein erarbeiten. Ein Beispiel dafür ist die digitale Vorbereitung für das indirekte Kleben von Brackets.

Das virtuelle Platzieren von Brackets kann man in der eigenen Praxis vornehmen oder an einen externen Dienstleister vergeben. Hier kontrolliert der Kieferorthopäde nur das Ergebnis vor der Herstellung der Klebetrays. Bei der digitalen Planung von festsitzenden Apparaturen kommt der Zahntechniker mit ins Boot (ein Beispiel: Apparaturen für die Gaumennahterweiterung).

Für eine komplett digitale Finalisierung von herausnehmbaren Apparaturen gibt es für das Anfertigen der Basis und der Drähte elektronische Hilfe. Das Ganze muss dann per Hand zusammengeführt werden. Noch ist in diesem Feld der Mensch einfach schneller als alle verfügbaren Roboter.

Kieferorthopädie interdisziplinär – jetzt anmelden

Eine interessante Entwicklung an der Schwelle zu Nachbardisziplinen: Die 3D-Retainer für die Kieferorthopädie sind auch für die Parodontologie interessant, etwa zur Schienung gelockerter Zähne. Denn die aus einem Stück gefrästen 3D-Retainer sind nicht nur grazil, sondern bieten auch eine nahezu unbegrenzte Gestaltungsfreiheit. Das ist ein enormer Vorteil gegenüber den klassischen Schuchardt-Schienen oder „klobigen“ Drähten. Diese Möglichkeiten einer viel grazileren und dennoch stabilen Gestaltung – bei der Parodontaltherapie wie in der Kieferorthopädie – sind ein schönes Beispiel für die Vorteile einer mehr und mehr digitalisierten Prozesskette.

Einen umfassenden Überblick über die genannten und anderen bewährten und innovativen Workflows verschafft sich der Messebesucher vom 22. bis zum 25. September 2021 auf der IDS in Köln.

Anmeldung nur online möglich, demnächst über www.ids-cologne.de, Hotline: 0180/677-3577, E-Mail: ids@visitor.koelnmesse.de

 
Stand: CG, Halle 11.2
Stand: Dentaurum, Halle 10.1

Digital oder analog oder digital/analog erarbeitet? Das ist hier die Frage! Nur eines ist sicher: Schlussendlich muss die Apparatur real gefertigt werden.

Bildnachweise
Koelnmesse / IDS Cologne;  Thomas Klerx (1), Harald Fleissner (2)